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Eric Ambler

                   

Eric Clifford Ambler OBE (* 28. Juni 1909 in London; † 22. Oktober 1998 ebenda) war ein britischer Schriftsteller. Er gilt als einer der Begründer des Thrillers.

Inhaltsverzeichnis

  Leben

Eric Ambler war der Sohn einer Schaustellerfamilie und unternahm seine ersten literarischen Versuche als Verfasser von Theaterstücken, denen wenig Erfolg beschieden war. Deshalb begann er an der Universität London eine Ausbildung zum Elektroingenieur. Diese brach er allerdings nach drei Jahren ab, um Schauspieler zu werden, er arbeitete dann aber sehr erfolgreich in einer Werbeagentur. In den Anfangszeiten der Glühlampenproduktion hatte eine Elektrofabrik eine neue Birne auf den Markt gebracht, die eindeutig zu schwaches Licht abgab. Ambler erfand den Namen Mondscheinlicht und löste damit einen solchen Ansturm auf die Fehlkonstruktionen aus, dass die Firma ihre gesamten Lagerbestände veräußern konnte. Obwohl erfolgreich, befriedigte ihn die Arbeit in der Werbebranche nicht weiter, und er gab auch diesen Beruf auf, um sich ausschließlich dem Schreiben zu widmen. Zu diesem Zweck ließ er sich in Frankreich nieder.

Seinen ersten literarischen Erfolg hatte er im Jahre 1936 mit The Dark Frontier. Dieser und fünf weitere Romane dieser Periode gelten heute als Klassiker des Genres Thriller. In seinem Roman Cause for Alarm (dt. Anlass zur Unruhe) beschrieb er 1938 die Schmuggelpfade zwischen dem damals faschistischen Italien und dem Königreich Jugoslawien so realistisch, dass er vom britischen Foreign Office um weitere Auskünfte gebeten wurde. Ambler hatte jedoch nur eine gründliche Recherche betrieben und dazu die handelsüblichen Landkarten sehr genau studiert.

Im Jahre 1939 heiratete er die Amerikanerin Louise Crombie, die er in Paris kennengelernt hatte.

1940 trat Ambler als Freiwilliger in die britische königliche Artillerie ein und nahm am Zweiten Weltkrieg teil. Ab 1943 diente er in Italien als britischer Verbindungsoffizier und Drehbuchautor und drehte unter anderem mit dem Amerikaner John Huston Propagandafilme für die Alliierten. Auf seine (ehrenvolle) Entlassung nach Kriegsende folgte eine Karriere als Drehbuchautor, die ihn 1957 nach Hollywood führte. Seine Drehbuchadaption für den Film Der große Atlantik erhielt er eine Oscar-Nominierung. Ambler ließ sich 1958 von seiner Frau Louise scheiden und heiratete die britische Drehbuchautorin Joan Harrison, eine enge Mitarbeiterin des britischen Filmregisseurs Alfred Hitchcock.

Ab 1950 schrieb er zusammen mit Charles Rodda unter dem Pseudonym Eliot Reed und unter seinem eigenen Namen eine weitere Reihe von Romanen. Amblers Storys zeichnen sich dabei meist durch die Behandlung von Themen aus, die in der Öffentlichkeit erst viel später und sehr kontrovers diskutiert wurden (so beispielsweise Geldwäsche und Steuervermeidung in Bitte keine Rosen mehr). Seine Protagonisten sind fast immer „ganz normale Leute“. Diese geraten in eine für sie selbst undurchschaubare, gefährliche Situation. Zunächst reagieren sie recht naiv, sich dabei immer tiefer in Gefahr begebend. Nach einem häufig eher unangenehmen Erwachen gelingt es ihnen gerade noch, ihre Haut zu retten.

1968 zog Eric Ambler in die Schweiz. 1985 veröffentlichte er seine Autobiographie unter dem zweideutigen Titel Here lies („Hier liegt“ oder „Hier lügt“), 1993 folgte dann noch der Erinnerungsband Wer hat Blagden Cole umgebracht? Lebens- und Kriminalgeschichten. Im Jahr 1990 kehrte er nach London zurück, wo er am 22. Oktober 1998 starb. Seine zweite Frau Joan war bereits im Jahr 1994 gestorben.

  Auszeichnungen

  Werke

  Romane der ersten Periode

  • 1936 The Dark Frontier - Der dunkle Grenzbezirk
  • 1937 Uncommon Danger - US-Titel: Background to Danger - Ungewöhnliche Gefahr
    • dt. von Walter Hertenstein und Werner Morlang, Diogenes Zürich 1979
    • Neuübersetzung von Matthias Fienbork, Diogenes Zürich 1999; ISBN 978-3-257-23132-8
  • 1938 Cause for Alarm - Anlass zur Unruhe
  • 1938 Epitaph for a Spy - Die Stunde des Spions
    • dt. von Peter Fischer; Fischer Frankfurt am Main 1963;
    • seit 1979 unter dem Titel Nachruf auf einen Spion bei Diogenes Zürich;
    • Neuübersetzung von Matthias Fienbork; Diogenes Zürich 2002; ISBN 978-3-257-23250-9
  • 1939 The Mask of Dimitrios - US-Titel: A Coffin for Dimitrios - Die Maske des Dimitrios 1944 von Jean Negulesco verfilmt (Die Maske des Dimitrios)
  • 1940 Journey Into Fear - Die Angst reist mit
    • dt. von Walter Hertenstein, Diogenes Zürich 1975;
    • Neuübersetzung von Matthias Fienbork, Diogenes Zürich 1996; ISBN 978-3-257-20181-9

  Romane der zweiten Periode

  • 1951 Judgement on Deltchev - Der Fall Deltschev
  • 1953 The Schirmer Inheritance - Schirmers Erbschaft
    • dt. von Harry Reuss-Löwenstein, Th. A. Knust und Rudolf Barmettler, Fischer Frankfurt am Main 1955;
    • Neuübersetzung von Nikolaus Stingl, Diogenes Zürich 2001; ISBN 978-3-257-23274-5
  • 1956 The Night-Comers - US-Titel: State of Siege - Ungebetene Gäste
    • dt. von Reimar von Benin, Günther Stuttgart 1958
    • Neuübersetzung unter dem Titel Besuch bei Nacht von Wulf Teichmann, Diogenes Zürich 1978; ISBN 978-3-257-20539-8
  • 1959 Passage of Arms - Waffenschmuggel
  • 1962 The Light of Day - Topkapi
    • dt. von Elsbeth Herlin, 1965, unter dem Titel Im ersten Morgenlicht, Titel 1969 in Topkapi geändert
    • Neuübersetzung von Nikolaus Stingl, Diogenes Zürich 1996, ISBN 3-257-20536-8
  • 1964 A Kind of Anger - Eine Art von Zorn
    • dt. von Susanne Feigl und Walter Hertenstein, Diogenes Zürich 1975
    • Neuübersetzung von Malte Krutzsch, Diogenes Zürich 1997; ISBN 978-3-257-20179-6
  • 1967 Dirty Story: A Further Account of the Life and Adventures of Arthur Abdel Simpson - Schmutzige Geschichte
    • dt. von Günter Eichel, Diogenes Zürich 1968
  • 1969 The Intercom Conspiracy - Das Intercom-Komplott
    • dt. von Dietrich Stössel, dtv München 1973
    • Neuübersetzung von Dirk van Gunsteren, Diogenes Zürich 2000; ISBN 978-3-257-23154-0
  • 1971 The Levanter - Der Levantiner
  • 1974 Doctor Frigo - Dr. Frigo
    • dt. von Tom Knoth und Judith Claassen, Diogenes 1975
    • Neuübersetzung von Matthias Fienbork, Diogenes Zürich 2001; ISBN 978-3-257-23268-4
  • 1977 Send No More Roses - US-Titel: The Siege of the Villa Lipp - Bitte keine Rosen mehr
  • 1981 The Care of Time - Mit der Zeit
    • dt. von Hans Hermann, Diogenes Zürich 1983
    • Neuübersetzung von Matthias Fienbork, Diogenes Zürich 2000; ISBN 978-3-257-23131-1

  Kurzgeschichten

  • Waiting for Orders (Kurzgeschichten aus den Jahren 1930-1940, u.a. The Army of Shadows, The Intrusions of Dr. Czissar, The Blood Bargain)

  Autobiografie

  • 1985 Here Lies - Ambler by Ambler. Eine Autobiographie
  • 1993 The Story So Far - Wer hat Blagden Cole umgebracht? Lebens- und Kriminalgeschichten

  Unter dem Pseudonym Eliot Reed zusammen mit Charles Rodda veröffentlichte Romane

  • 1951 Skytip
  • 1951 Tender To Danger (US-Titel); auch: Tender to Moonlight (engl. Titel, 1952)

  Filmografie

Literarische Vorlage
  • 1942: Von Agenten gejagt (Journey Into Fear) – Regie: Norman Foster/Orson Welles
  • 1943: Spion im Orientexpreß (Background to Danger) – Regie: Raoul Walsh – nach dem Roman „Uncommon Danger”
  • 1944: Hotel Reserve – Regie: Victor Hanbury, Lance Comfort und Max Greene – nach dem Roman „Epitaph for a Spy”
  • 1944: Die Maske des Dimitrios – Regie: Jean Negulesco
  • 1950: Lebensgefährlich (Highly Dangerous) – Regie: Roy Baker, auch Drehbuch von Ambler – nach dem Roman „The Dark Frontier”
  • 1953: Epitaph for a Spy – GB/Fernsehserie in 6 Teilen, Regie Patrick Harvey
  • 1963: Epitaph for a Spy – GB/Fernsehserie in 4 Teilen, Regie: Colin Jeavons
  • 1963: Topkapi
  • 1976: Reise in die Angst (Journey Into Fear) – Regie: Daniel Mann
  • 1978: Ricatto Internazionale – Fernsehserie, Regie: Dante Guardamagna – nach dem Roman The Intercom Conspiracy
  • 1984: Eine Art von Zorn – Fernsehfilm, Regie: Uli Edel
  • 1989: Die Zeit läuft ab (The Care of Time) – Fernsehfilm, Regie: John Davies
Drehbuch
  • 1943: The New Lot – britischer Propagandafilm, Drehbuch zusammen mit Peter Ustinov, Regie: Carol Reed. (Ambler ist hier auch in einer kleinen Rolle als Waffeninstrukteur zu sehen)
  • 1944: The Way Ahead – Drehbuch zusammen mit Peter Ustinov, Regie: Carol Reed
  • 1947: Zwielicht (The October Man) – Regie: Roy Baker
  • 1949: Die große Leidenschaft (The Passionate Friends) – Regie: David Lean – nach einem Roman von H. G. Wells
  • 1950: Auf falscher Spur (The Clouded Yellow) – Regie: Ralph Thomas
  • 1951: Der wunderbare Flimmerkasten (The Magic Box) – Regie: John Boulting – nach einem Roman von Ray Allister
  • 1951: Dakapo (Encore) – Regie: Harold French, Pat Jackson und Anthony Pelissier – nach Erzählungen von William Somerset Maugham
  • 1952: Der große Atlantik (The Cruel Sea) – Regie: Charles Frend – nach einem Roman von Nicholas Monsarrat
  • 1952: Der Unwiderstehliche (The Card) – Regie: Ronald Neame – nach einem Roman von Arnold Bennett
  • 1953: Ein Schuß im Dunkel (Rough Shoot) – Regie: Robert Parrish – nach einem Roman von Geoffrey Household
  • 1954: Flammen über Fernost (The Purple Plain)
  • 1954: Lease of Life – Regie: Charles Frend
  • 1956: Yangtse-Zwischenfall (Yangtse Incident: The Story of H.M.S. Amethyst) – Regie: Michael Anderson – nach einem Roman von Lawrence Earl
  • 1957: The Eye of the Truth – Episode der Fernsehserie „Suspicion“, Regie: Robert Stevens
  • 1958: Die letzte Nacht der Titanic (A Night to Remember)
  • 1959: Die den Tod nicht fürchten (The Wreck of the Mary Deare) – Regie: Michael Anderson –– nach einem Roman von Hammond Innes
  • 1961: Meuterei auf der Bounty (Mutiny on the Bounty) – (Ambler arbeitete ungenannt am Drehbuch mit)
  • 1962: Act of Faith – Fernsehfilm, Regie: Bernard Girard – nach einer Erzählung von Nicholas Montsarrat
  • 1971: Love Hate Love – Fernsehfilm, Regie: George McCowan

  Literatur

  • Eric Ambler, hrsg. v. der Filmkritiker-Kooperative. München: Verlag Filmkritik 1982. (= Filmkritik; Jg. 26, 1982, H. 12 = Gesamtfolge; 312)
  • Über Eric Ambler. Zeugnisse von Alfred Hitchcock bis Helmut Heissenbüttel, hrsg. v. Gerd Haffmans. Zürich: Diogenes 1989. (= Diogenes-TB; 20607) ISBN 3-257-20607-0
  • Ronald J. Ambrosetti: Eric Ambler. New York: Twayne Publ. u.a. 1994. (= Twayne's English authors series; 507) ISBN 0-8057-8369-5
  • Stefan Howald: Eric Ambler. Eine Biographie. Zürich: Diogenes 2002. ISBN 3-257-06325-3
  • Peter Lewis: Eric Ambler. New York: Continuum 1990. ISBN 0-8264-0444-8
  • Kapitel: Die Ambler-Lektion, in: Jörg Fauser: Lese-Stoff. Von Joseph Roth bis Eric Ambler, Frankfurt a.M. (Verlag Neue Kritik) 2003, S. 201-207. ISBN 3-8015-0366-6

  Dokumentationen

  • Gefährliche Geschäfte. Die Welt des Eric Ambler, TV-BRD 1987, Regie: Jutta Szostak.

  Weblinks

   
               

 

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